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Gastbeitrag – 3 Mal schwanger in einem Jahr oder was Frauen alles mitmachen Teil 1

13. Januar 2019

 

Dieser Text ist ehrlich, mitunter sicherlich etwas erschütternd und nichts für Frauen, die gerade schwanger sind. Also bitte ab jetzt nicht weiterlesen.

Ich will niemandem angst machen, finde es aber wichtig denjenigen Mut zu machen, nicht aufzugeben, ein Kind zu bekommen, auch wenn der Weg dahin schwer ist. Dies ist ein Gastbeitrag von einer Freundin. Sie hat im letzten Jahr viel erlebt und mir wurde bewusst, was wir Frauen eigentlich alles durchmachen müssen in Bezug auf Schwangerschaft, Geburt und Verluste, die man im Leben ertragen muss. Natürlich
Trotzdem muss man funktionieren oder hat zumindest das Gefühl es zu müssen. Muss stark sein, sich nichts anmerken lassen. Man ist ja schließlich das „schwächere Geschlecht“. Schon wenn ich das ausschreibe, muss ich über den Zynismus lachen. Wer auf diesen Spruch gekommen ist. Haha, es muss ein Mann gewesen sein.

Lisas Geschichte
Teil 1

Ich will zeigen, dass man auch über die unschönen, schrecklichen Dinge reden sollte, damit wir uns nicht alleine fühlen und denken, mit uns ist etwas falsch oder wir machen etwas falsch. Anderen geht es genauso. Auch anderen Frauen ist es nicht vergönnt auf Anhieb oder bisweilen gar nicht, ein Kind zu bekommen. Auch andere Frauen/Paare verlieren ihre geliebten Babys. Ich möchte mit diesem Text in 4 Teilen allen Mut machen, denen Ähnliches widerfahren ist. Zeigen, dass du nicht alleine bist, nur weil „man“ nicht darüber spricht. Mut machen, darüber zu sprechen, wenn es hilft. Man muss sich nicht verstecken. Rede, wenn es dir hilft darüber. Auch professionelle Hilfe kann sehr helfen, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Man muss nicht alles aushalten.

Hier ist Lisas Geschichte

Drei Mal schwanger in einem Jahr

2018 war ein krasses Jahr. Ein trauriges Jahr, bis ungefähr zum letzten Viertel.

Innerhalb eines Jahres war ich 3 Mal schwanger. Das heißt begonnen 2017 bis Mitte 2018 habe ich es geschafft drei Mal schwanger zu werden und zwei Kinder davon zu verlieren. Das prägt und macht Angst. Das zieht einen komplett den Boden unter den Füßen weg und hat mich meinen Körper hassen lassen.

Warum scheint es bei allen anderen so leicht zu funktionieren?

Warum ich? Warum wir? Warum scheint es bei allen anderen so leicht zu funktionieren?
Man will ein Kind, zack ist man schwanger und bekommt ein Kind. So wirkt es für mich immer bei anderen Paaren.

Bei mir und meinem Freund ist das nicht so. Nach zwei Jahren holten wir uns Hilfe. Man sagte mir, ich solle mich mal operieren lassen, mal nachschauen lassen, ob die Eileiter überhaupt durchgängig seien. Wow, dachte ich mir. So leichtfertig wird jungen Mädchen also die Pille verschrieben. Es könnte also sein, dass ich überhaupt nie schwanger werden konnte, habe aber 14 Jahre die Pille in mich reingestopft? Not bad.

Und was sie mit mir gemacht hat. Ein kleines Aggrogirl mir vollem Haar, mega Migräne (alle 23 Tage) und Sixpack. Niemand hat mich auch nur einmal darauf hingewiesen, dass das alles von der Pille kommen könnte.

Nach dem Absetzen der Pille wurden die Haare dünner, die Haut schlechter und das Fett setzte an. Aber die monatliche Migräne war auf einmal weg. Das alles ging mir auf, als mein Freund zu mir sagte „was ist eigentlich los mit dir? Du bist auf einmal so ausgeglichen und gehst nicht mehr so schnell an die Decke“. Er hatte vollkommen Recht, die Pille hatte mich so aggressiv gemacht, dass ich ständig nervlich unter der Decke hing, bei nur einem falschen Wort.

Die Vorteile der Pille waren also nun Schnee von gestern, die vielen krassen Nachteile aber auch.

Aber eine OP wollte ich nicht, ich fühlte irgendwie, dass es hier um schnelles Geld ging und es nicht daran lag, dass ich nicht schwanger wurde. Danach brauchte ich erst einmal eine Pause von dem ganzen Theater rund ums Schwangerwerden.
Wenn ich eines gelernt habe: wenn ich einem Arzt nicht vertraue, kein gutes Gefühl habe, dann hat das gute Gründe und ich sollte auf mich hören.

Insemination No.1

So suchten wir uns ein anderes Fertility Center. Siehe da, zu der Ärztin hatte ich von Beginn an volles Vertrauen und wir fühlten uns gut aufgehoben. Aber auch sie sagte, dass es auf natürlichem Wege wahrscheinlich nicht gelingen würde, schwanger zu werden. Glaubte aber auch nicht daran, dass es an undurchlässigen Eierstöcken lag.

Also Insemination No.1. – nichts, gar nichts. Außer schlecht drauf zu sein, wegen der Hormone.
Auf zur

Insemination No.2.

Auch hier, das selbe Ergebnis. Nichts. Nada. Nothing.

Fun Fact (Achtung Ironie) – niemand hatte mich bis dato je darauf hingewiesen, dass es Mitte 30 schon schwierig wird, schwanger zu werden und das es mit Anfang 40 schon nahezu unmöglich ist. Man sieht doch immer nur, wie (Promi) Frauen bis ins recht hohe Alter Kinder bekommen. Naiver Weise habe ich nie darüber nachgedacht, dass dies nicht auf natürliche Art passieren kann. Nun bin ich schlauer und sehe, dass es vielen Frauen so geht, die plötzlich Ende 30 schon gesagt bekommen, dass schwanger werden fast nicht mehr möglich ist, ohne künstliche Befruchtung.

Auf Grund meines Alters beschloss ich also, keine dritte Insemination mehr zu machen, sondern gleich zur künstlichen Befruchtung über zu gehen. Ich merkte, dass ich durch die Tabletten und Spritzen irgendwie überhormonisiert war. So fühlte ich mich zumindest. Ich ließ alles weg.

Meine Periode rückte näher. Bald sollte untersucht werden, ob es genügend Eizellen gab, die man entnehmen könnte.

Doch irgendwie kam sie nicht. Irgendwann dachte ich, ich mache mal einen Schwangerschaftstest.
Unfassbar, er war positiv. Wie konnte das sein? Ausgerechnet jetzt.

Die Freude war riesig und wir konnten unser Glück kaum fassen. Nach fast vier Jahren hatte es geklappt. Ohne alles, ganz natürlich.

Die Ärztin freute sich mit uns. In der siebten Woche schlug das Herz und alles sah gut aus. In der 9/10 Woche musste ich es schon auf der Arbeit sagen. Mir war einfach so unfassbar übel und ich musste mich ständig hinlegen.

Dann suchte ich mir eine Frauenärztin, an unserem neuen Wohnort hatte ich noch keine.

Das erste was die Ärztin zu mir bei der Untersuchung sagte „Oh, wir lernen uns aber nicht gut kennen“.
Ich begriff nicht! Was meinte sie und warum sah sie mich so mitleidig an.

Dann begann ich zu verstehen. Ganz langsam. Nein, das konnte nicht sein!

Das Herz schlägt nicht mehr

„Das Herz schlägt nicht mehr“. Sie muss sich verguckt haben. Das kann einfach nicht sein, die kritischen 12 Wochen sind doch schon fast um.

Wie in Trance rutschte ich vom Stuhl und begab mich mit ihr zum Gespräch. Ausschabung. Davon hatte ich schon gehört und es gehörte zu meinen absoluten Horrorvorstellungen. Wie kann man so etwas nur so nennen? Als wäre das alles nicht schon schlimm genug.

Die Ärztin wollte mir das ersparen und ließ mir die Option Tabletten zu nehmen, die Wehen auslösen.

Dafür war ich sehr dankbar. Mir war allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, dass alles aus mir heraus musste, damit sich die Schleimhaut wieder richtig aufbauen konnte. Und alles ist sehr viel. Dies gelingt mit den Tabletten nicht immer.

Ich fragte mich die ganze Zeit, wie ich das meinem Mann sagen sollte. Dass wir doch kein Kind bekommen, dass das Herz aufgehört hat zu schlagen.

Zuhause hatte ich schon mehrere Anrufe in Abwesenheit von ihm. Ich konnte nicht zurück rufen, ich brachte es nicht übers Herz ihm das zu sagen und musste erst einmal selbst klar kommen. Er wusste, das etwas nicht stimmte.

Fortsetzung hier

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1 Comment

  • Reply Lina 28. Januar 2019 at 19:04

    Das ist wirklich schrecklich liebe Lisa, es tut mir so leid, was dir passiert ist. Ich hoffe so sehr, das am Ende alles gut ausgeht. Und ja, du bist nicht die einzige, der das passiert ist. Und ich finde es gut, dass du den Frauen mit deiner Geschichte Mut machen möchtest, mehr darüber zu sprechen. Denn auch ich wäre froh gewesen, wenn ich mit der Situation hätte offener umgehen können.

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