Life

Gastbeitrag – 3 Mal schwanger in einem Jahr
Lisas Geschichte Teil 3

10. Februar 2019

Wieder Tabletten

Dieses Mal klappte es mit den Tabletten auf Anhieb. Die Schmerzen waren krass, das Erlebnis nicht minder erschütternd. Aber, so schlimm es sich anhört, ich war etwas abgestumpfter. Oder hatte meine Emotionen so weit im Griff, dass ich sie wegsperren und weiterhin gut funktionieren konnte. Wieder ein Kind verloren.

Lust auf Sex?

Nicht so.
Einmal kurz nach alledem. Danach wollte ich es nicht mehr herausfordern. Meine Seele braucht Zeit um zu heilen.

Ein einziger Versuch zur künstlichen Befruchtung noch? Die Medikamente für ca. 300 € lagen ja schon im Kühlschrank.

Ein einziger Versuch noch?

Ich habe es mit meinem Freund besprochen und wir beide kamen zu dem Entschluss, uns erst einmal etwas Ruhe zu gönnen und zu schauen, ob wir es wirklich noch einmal wagen wollten. Tendenziell eher nicht. Klar hatte ich im Hinterkopf, keine Zeit mehr zu haben und auch, dass der Körper ja gerade auf schwanger sein eingestellt ist und es dann eher leichter funktioniert, aber wir waren beide so ausgelaugt und auch nicht mehr sicher, ob wir nicht auch ein schönes Leben ohne Kinder haben könnten. Zudem war für mich auch immer Adoption ein Thema. Ich bin der Überzeugung, ein Kind, das ich nicht geboren habe, trotzdem genauso lieben zu können. Jedoch waren wir beiden zusammen schon etwas über 80, was bedeutet, dass wir kein Baby mehr adoptieren können. Mein Freund war nicht so wirklich für eine Adoption zu gewinnen.

Mir wurde schlecht

Plötzlich wurde mir schlecht. Ich musste mich übergeben. Mein Unterleib schmerzte, meine Tage müssten bald kommen. Die Brüste spannten.

Aber es passierte nichts.

Konnte das wirklich sein?
Ein Schwangerschaftstest sagte ja. Der kann ja viel erzählen.
Der zweite sagte das Gleiche.

Ich ging nicht zum Arzt, denn nach kurzer Zeit spürte ich nichts mehr. Mir war zwar speiübel, aber die Brüste spannten nicht mehr und mein Unterleib tat auch nicht weh. Ich wollte nicht nochmal hören, dass wieder alles vorbei ist. So stand ich die Übelkeit und das Gekotze eisern durch und teilte allen mit, die mitbekommen hatten, dass ich schwanger bin, dass es schon wieder vorbei sei. Wir waren traurig, hatten unser Lächeln verloren und glaubten nicht mehr ans Glück.

Nach 11 Wochen dachte ich, ich müsste mal nachsehen lassen, warum es nicht von alleine weggeht.
Meiner Ärztin sagte ich, dass ich wieder schwanger war, es aber schon wieder vorbei sein. Sie fragte mich, woher ich das wisse. Ich sagte ihr, dass ich die Zeichen ja mittlerweile deuten könne und auch nicht mehr an eine Schwangerschaft glaubte.

„Schauen Sie mal auf den Monitor“ – konnte das wirklich sein?

Ich konnte nicht auf den Monitor schauen, konnte es nicht noch einmal ertragen.

Da sagte die Ärztin: „Jetzt schauen sie aber mal! Schauen sie mal, wie groß es schon ist und wie kräftig das Herz schlägt!“. Sie stand auf, stürmte raus und holte meinen Freund rein. „Schauen sie!“.
Oh man, konnte das sein?!
tatsächlich, ich bin schwanger. Schwanger zum dritten Mal in einem Jahr. Unglaublich. Dafür, dass uns gesagt wurde, dass es auf natürliche Weise nicht klappen könnte…

Schauen sie mal, wie groß es schon ist!

So kurz danach und zum dritten Mal ohne jegliche Medikamente auf natürliche Weise.

Wir gönnten uns die Freude nicht

Wir sagten niemandem etwas bis zur 12 Woche – die war ja nicht mehr weit. Und auch nach der 12. SSW waren wir sehr zurückhaltend. Unsere Freude auch. Wie gemein dem Kind gegenüber, so distanziert zu sein. Wie gemein sich selbst gegenüber, sich die Freude nicht zu gönnen. Aber es ging einfach nicht. Die Angst saß so wahnsinnig tief.
Das Erlebte hatte viel Schaden angerichtet. So rannte ich jede Woche zum Arzt, weil wir Angst hatten, das Herz könnte nicht mehr schlagen. Bei der Erst-Trimester-Untersuchung drehte ich vor Angst fast durch. Und falls jemand bei Ebay nach einem Heim-Ultraschallgerät gesucht hat – das waren wir.

Erst nach der 22. Woche, nachdem auch die Zweit-Trimester-Untersuchung ohne Hinweise auf Komplikationen ausgefallen war, fingen wir uns richtig an zu freuen. Das Kind zu zulassen, ihm vorzusingen, uns mit ihm zu beschäftigen, einen Hypnobirthing Kurs zu buchen und Literatur zu lesen.

Doch die Angst sitzt tief.
Aber die Hoffnung, dass alles gut geht, ist größer.

Und ich wünsche all denen, die zweifeln, die trauern, die die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, den Mut zu finden, den richtigen Weg zu gehen. Es noch einmal zu wagen oder den Mut und die Stärke, es bei absoluter Hoffnungslosigkeit anzunehmen.
Ich denke, es ist wirklich das Wichtigste auf sich zu hören. Was glaubst du? Was wünscht du dir?

Ich bin guter Hoffnung,

eure Lisa

 

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