Life

Gastbeitrag – 3 Mal schwanger in einem Jahr
Lisas Geschichte Teil 2

27. Januar 2019

Hallo ihr Lieben,

Teil 1 von Lisas Geschichte wurde sehr oft gelesen und geteilt. Sagt mir doch, ob ihr so etwas lesen möchtet oder ob es zu hart ist. Ich möchte wie gesagt niemandem Angst machen. Im Gegenteil. Macht euch gegenseitig Mut, unterstützt euch, redet miteinander.

Uns wurde der Boden unter den Füßen weggerissen

Zuhause habe ich es meinem Freund erzählt
Wir trauerten. Uns war der Boden unter den Füßen weggerissen worden.
Ich habe viele der Tabletten genommen, aber es war leider nicht alles herausgekommen.
Das Krankenhaus stand an. Um die Ausschabung würde ich nun doch nicht herum kommen. Auch das noch.
Großartig ist auch, dass die Ausschabung in der Neugeborenenstation gemacht wird. Also das, was man in der Situation am allerbesten gebrauchen kann. Babyglück und Babygeschrei. Und wenn man dann da auf dem Flur sitzt und eine bekannte Stimme hört, die erzählt, dass ihr Sohn gerade geboren wurde, dann will man nur noch im Boden versinken und nie wieder auftauchen.

Glücklicherweise hatte die Ärztin Erbarmen mit mir und war auch nicht darauf aus, unbedingt zu operieren, sondern hat an mein Wohl gedacht. Ich hatte noch einen Zyklus Zeit, um alles los zu werden.

Ich erzähle das mit einer gewissen Distanz, denn es ist wirklich schlimm. Wenn die Tabletten Wehen auslösen und du dir bewusst wirst, dass du gerade dein Baby verabschieden musst. Klar ist es so früh noch kein Baby. Für einen selbst aber schon. Zumindest für mich. Ich denke, dass jede Frau anders damit umgeht. Für manche ist es unglaublich hart, anderen haben sicherlich eine andere Auffassung davon. Ich denke aber, dass es in jedem Fall schlimm ist.

Für mich war es sehr hart und ich war sehr verzweifelt. Was soll man jetzt machen? Und niemand hat einen je darauf vorbereitet. Noch nicht einmal auf das, was genau eigentlich passiert, wenn man die mit Tabletten einnimmt.

Unsere Seelen haben Schaden genommen

Ich hatte Glück. Alles ging gut. Körperlich. Doch unseren Seelen ging es nicht gut und sie haben erheblichen Schade genommen.

Geholfen haben Spaziergänge und Freunde, die Ähnliches oder leider auch Schlimmeres erlebt haben. Die nachfühlen konnten, wie es uns geht und offen mit uns gesprochen und immer wieder angerufen haben. Es war so wichtig zu merken, dass da immer jemand ist, mit dem man reden kann und der das mit einem erträgt.

Irgendwann kommt der Mut zurück

Irgendwann kam der Mut zurück. Und wir haben gesehen, dass wir nicht alleine sind. Das das vielen Frauen und Paaren passiert. Das schwanger sein und bleiben ein unfassbares Glück ist und nicht die Normalität darstellt. Nur spricht eben keiner darüber.

Auf der Arbeit musst du funktionieren, egal wie es dir geht und dann auch noch sagen, dass das alles doch nichts wird. Dann musst du weiter funktionieren. Belasten möchte man eben auch niemanden damit und Angst machen schon gar nicht.

Reden hilft und klärt auf.

Ich habe nie verstanden, warum man erst nach der 12. Woche sagt, das man schwanger ist. Dieses Rumgeeiere, warum man plötzlich keinen Alkohol mehr trinkt etc. Man freut sich doch von der ersten Sekunde. Warum das nicht zeigen?

Nun verstand ich es ein wenig mehr. Denn zu sagen, dass man ein Kind verloren hat, ist schwer. Aber nur, weil man über so etwas im Allgemeinen nicht spricht.

Nachdem wir also gemerkt haben es geht und dachten, das Glück wäre uns ein Mal hold gewesen, wollten wir die künstliche Befruchtung wagen.

Zu was der Körper im Stande ist, wenn er Angst hat
Ich machte einen Schwangerschaftstest kurz vor dem zweiten Anlauf zur künstlichen Befruchtung, da meine Regel ausblieb. Negativ. Sauer pfefferte ich den Test in meine Tasche, da ich auf Reisen war. Ich hatte da doch dieses seltsame Gefühl. Aber klar, zwei Mal so ein Glück zu haben, kurz vorher schwanger zu werden, war auch ein bisschen absurd.

Nachts konnte ich einfach nicht schlafen und wollte nicht wahr haben, dass der Test negativ war. Irgendwie hatte ich doch das Gefühl schwanger zu sein. Ich holte ihn aus meiner Tasche und konnte es nicht fassen.

Aus einem Strich waren zwei geworden.

Ahhh. Wie toll.

Meinem Mann wollte ich es nicht sagen. Er sollte nicht wieder so enttäuscht werden. Aber nach zwei Tagen konnte ich meine Klappe einfach nicht mehr halten.

Jedoch hielten wir uns sehr mit unserer Freude zurück. Beim Arzt sah man den Herzschlag schon.

Warum war mein Körper nicht im Stande,
dass in ihm ein Kinde gedeiht.

Doch nach sieben Wochen war der Herzschlag nicht mehr zu sehen. Das konnte einfach nicht sein. Warum wir? Warum war mein Körper nicht im Stande, dass in ihm ein Kinde gedeiht. Was machte ich falsch.

Ich musste zu McDonalds, so groß war mein Selbsthass. Ich hörte auf Sport zu machen, alles war mir egal. Ist doch eh alles scheiße. Wir werden vom Pech verfolgt. Als die Ärztin es uns mitteilte stürmte ich einfach nur noch aus der Praxis und war wütend. Wütend auf alles.
Sie sagte noch, ihr sei das fünf Mal passiert und jetzt habe sie drei gesunde Kinder. Haha, fünf Mal? Wer sollte das denn aushalten können?

Ich hatte die Schnauze voll. Mir reichte es. Dann eben keine Kinder. Es gibt viele Paare, die keine Kinder haben und denen geht es gut. Vielleicht wäre ich auch keine gute Mutter, hätte ständig viel zu viel Angst, dem Kind könnte etwas passieren. Frei und unabhängig. Reisen, weggehen, machen wann und was man will. Auch gut.

Dann eben keine Kinder

Wer sagt einem eigentlich, dass man unbedingt Kinder bekommen muss? War das je meine eigene, persönliche Entscheidung? Oder war es eher, dass die Gesellschaft einem das aufdrängt und ich meinem Mann ein Kind schenken wollte, weil er es sich so sehr wünschte?

Wie es weiter ging erzähle ich euch kommende Woche im 3. und letzten Teil meiner Geschichte. Teil 1 findest du hier.
Lasst mich doch gerne wissen, was ihr denkt, ob ihr Ähnliches erlebt habt und was euch dabei geholfen hat.

Alles Liebe, Lisa

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4 Comments

  • Avatar
    Reply Maria 30. Januar 2019 at 10:39

    Wie gut, dass es mal jemand anspricht.Ich habe auch das Gefühl, dass es vielen Frauen so geht, aber niemand darüber richtig spricht. Man zieht sich zurück, trauert und dann muss es weiter gehen. Und wie du schreibst, ich finde auch, die Seele nimmt Schaden und muss wieder heilen.

    • Denise
      Reply Denise 14. März 2019 at 18:46

      Ja, absolut dieses Gefühl habe ich auch. Danke für dein Feedback!

  • Avatar
    Reply nana 28. Januar 2019 at 18:59

    Oh man, das hört sich wirklich schlimm und herzzerreissend an. Das wünscht man wirklich niemandem. Allerdings hast du recht. In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass sehr viele Frauen davon betroffen sind und sich regelrecht schämen darüber zu sprechen. Deswegen finde ich deinen Anstoß total wichtig. Auch im täglichen Umgang miteinander. Vielleicht mal einmal mehr verzeihen, wenn jemand schlecht drauf ist. Wer weiß was dem oder derjenigen gerade widerfahren ist. Ich finde auch wichtig zu wissen, dass man zum Beispiel Tabletten nehmen kann, anstatt eine Ausschabung zu machen. Meiner Freundin wurde das gar nicht erst angeboten. Und nach einer Ausschabung muss man ein halbes Jahr warten, ehe man wieder schwanger werden kann/sollte. Obwohl der Körper gerade voll im schwanger-werden Modus ist. Also, super, dass du und Lisa euch getraut habt, diesen Texte zu veröffentlichen. Liebe Grüße

    • Denise
      Reply Denise 14. März 2019 at 18:48

      Ich war mir über viele dieser Dinge auch nicht bewusst und finde es wichtig, dass man darüber redet und Erfahrungen austauscht. Die anderen, die ich kenne, wussten zum Beispiel auch nicht, dass es diese Alternativen gibt. Lieben Dank für deinen Kommentar! Deine Denise

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