Freundschaft

28. September 2015

anny

Heute ist ein Scheiß-Tag.

Die Sonne scheint, wir haben 30 Grad hier in Berlin, eigentlich ein Tag an dem ich um 8 aufstehe, Florianski so lange anstupse, bis er wach wird und denkt er wäre von selbst wach geworden und dann will ich direkt zum See.

Zu unserem Geheimsee. Den auch du kennst.

 

Aber heute ist alles anders.

Ich will nicht aufstehen, ich will nicht raus und die Sonne ist mir auch scheiß egal. Heute ist einfach ein Tag, den ich verschlafen will.

Um 12 will ich einen Aperol Spritz. Um 12.10 einen zweiten. Ich bekomm einen und auch den Zweiten.

Eine Lösung ist es nicht. Ehrlich gesagt, es macht alles noch schlimmer, denn ich fange an zu heulen.

Manchmal läufts einfach nicht. Und manchmal läuft es noch schlechter. So wie heute.

Manchmal bekommt man eine schlechte Nachricht nach der anderen. Dabei, seien wir mal ehrlich, geht es uns doch wirklich gut. Es gibt andere Menschen, die haben wirklich Grund zum heulen.

Ich heule trotzdem.

Eine meiner engsten und besten Freundinnen feiert heute Abschied. Abschied von Berlin.

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Abschied von Treffen nach der Arbeit (die viel zu wenig stattgefunden haben), Abschied von durchgetanzten Wochenenden (die wir viel zu wenig genutzt haben), Abschied von auf der Dachterrasse schlafen und die ganze Nacht Horrorfilme schauen (was wir leider nur 1x gemacht haben), Abschied von durchgeknallten Vernissagen am Wasser mit vielen nackten Menschen (was in Berlin nun wirklich nix Ungewöhnliches ist), Abschied von der gemeinsamen Zeit in Berlin (die viel zu kurz war).

Dabei hatten wir doch so ein verdammtes Glück. Und alle Leute freuen sich immer über die Geschichte unseres Kennenlernens, unserer Freundschaft.

Ich in Bochum, du in München, mein Mitbewohner will nach Russland (kann ich bis heute nicht ganz verstehen, da ist es doch noch Kälter, auch ohne den Industrieschnee aus Bochum). „Hey Denise, für ein paar Monate kommt eine, die macht das gleiche wie du. Ihr versteht euch bestimmt.“

Okay Zufall: Eine, die nach Bochum will, für Kurz und Dasselbe macht wie ich. Aber:

-> nur weil sie das Gleiche macht, muss sie doch nicht nett sein.
Obwohl – Musik verbindet.

Sitting in my room – vor mich hingrübelnd. Es klopft „Hey Denise, das ist deine neue Mitbewohnerin“.
Fuck, da war doch was. Hätte ich mal aufgeräumt und den Jogger gegen ne Jeans getauscht. Egal.

Ein strahlendes Lächeln springt mir entgegen. Leuchtende Augen sagen mir Hallo.

Okay. Ja, wir machen das Gleiche und ja, wie fliegen auf einer Welle.

Monate voller Spaß und guter Musik liegen vor uns, genauso, wie Klamottenauswahl, Drinks und Parties. Und: viel Musik.

(Gerade fand ich ein Foto von einer WG Party damals – das Foto ist 10 Jahre alt. Mannomann. Und ich weiß bis heute nicht, wer das ist, der da vor dir auf meinem Bett sitzt))

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Dann ziehst du wieder aus (so war es ja geplant) und dein bester Freund zieht ein, bis mein MB wieder kommt. Der Neue macht übrigens das gleiche wie wir. Dann ging es für dich wieder zurück nach MUC, aber dir gefiel es dort nicht.
Ein neues Leben für dich: Hamburg, New York.
Wir verlieben uns.
Ich in einen Mann in Berlin, du in Berlin.

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Berlin.

Wir beide in Berlin. Unser Kontakt steht nach wie vor. Und warum? Weil du dich immer so sehr bemüht hast my love.

Du bist die, die uns nie aufgegeben hat. Die immer da war, die immer angerufen hat, auch wenn ich zu alle war zum Reden. Wenigstens kurz.

Streit, ein Katastrophaler Urlaub. Egal, wir kriegen das hin.

Unser Kontakt ist enger als je zuvor. Wir surfen immer noch auf der gleichen Welle.

Wie in unserem Frankreich Urlaub. Es ist alles okay, was ich tue oder nicht tue, welche Verfehlungen ich habe, welche Unzulänglichkeiten mich betreffen.

Und es ist alles okay, was du machst, denn du machst das Richtige und folgst deinem Herzen. Denn das kannst du gut. Du hörst auf dich. Hoffe ich.

Dann bist du wieder verliebt. Ich auch in Berlin. Du in einen Mann.

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Hochzeit.

Erst ich, eine Woche später du. Du bist natürlich meine Trauzeugin.

Doch jetzt, jetzt folgst du deinem Herzen und gehst zurück.

Mein kleines Le Gaufre. Ich wünsche dir, das du glücklich wirst. Das es das ist, was du willst. Das es das ist, was du dir erhoffst.

Wir werden auch so immer zusammen sein, egal an welchem Ort.

Wir werden Freudiges, wie Schlimmes miteinander teilen.

Doch trotzdem ist es Zeit für einen neuen Drink.

Auf die Freundschaft.

P.S. Und zum Feiern ist mir heute echt nicht zumute. Dir kann ich´s ja sagen.
Und wir hätten öfter zum Ballett gehen müssen. Und wir hätten öfter im Freien schlafen müssen. Uns öfter nach der Arbeit treffen müssen und ich hätte dich öfter anrufen sollen…

Berghochzeit

 

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3 Comments

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    Reply Anny Beck via Facebook 16. August 2015 at 18:07

    ❤️

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    Reply Gitta 16. August 2015 at 17:33

    Welch eine berührende Hommage an die Freundschaft.
    Haltet eure Herzen offen. Gitta

    • Avatar
      Reply Denise 2. September 2015 at 10:42

      Danke!

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