Wie war´s beim Feel Festival 2016, was gab es zu meckern und warum ich die Tastatur aus der Hand gebe

Nun ist es schon ein paar Wochen her, das Feel Festival.
Ich hatte mal wieder eine unbeschreibliche Zeit dort und bin auch noch dabei, euch ein hübsches Filmchen zu schneiden.
Doch heute habe ich mal die Tastatur aus der Hand gegeben.
Warum?
Ich habe hier scheinbar ein kleines Naturtalent entdeckt und überlasse somit einfach mal dem Gewinner der fasheria Feel Ticket Verlosung das Wort.

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Ob´s ihm gefallen hat und warum er seinen Alltag plötzlich in Frage stellt?

Das beantwortet euch Matthias am besten selbst:

Vier Tage im Sommer

Es ist schon erstaunlich, dass im Leben immer wieder Ereignisse geschehen, die einem die Sicht auf die Dinge grundsätzlich verändern. Erst jetzt wird mir so nach und nach bewusst, was ich vor einigen Tagen, erlebt hatte, wie erhebend diese Gefühle waren, wie glücklich ich war (und bin) und wie sehr ich es vermisse.

Du denkst dir, nun sag doch endlich, wovon du da redest.
Einen Moment noch!

Die Tage, die ich so intensiv gespürt hatte, stellen heute meinen Alltag in Frage.
Soll ich, wie zuvor im Trott weiter machen, in der Routine versinken, Tage, Nächte, Wochen, gar Monate verstreichen lassen, auf den nächsten Sommer wartend, mich an der Erinnerung erfreuen und hoffen, dass es mir im nächsten Jahr erst wieder so ergeht?

Die Antwort ist so einfach wie auch erfrischend klar: Nö.
Dazu war es zu berauschend, zu anders, viel zu kurz und den- noch unglaublich phänomenal.
Inspiriert, motiviert und atemberaubend euphorisch möchte ich diesen neuen Abschnitt erleben: Ich bin zurück, ab sofort wird alles anders, nichts ist, wie es war und wird es auch nie wieder sein. Zumindest sagt, nein schreit mein ganzer Körper diesen Wunsch.

Otherland, im durch und durch positiven Sinne

Ich hatte es gefeelt, das Glück, die Freiheit, die Spannung und Entspannung, den Sound, die Drums, den Respekt, die Ausgelassenheit, die Sonne, Tag und Nacht, warm und heiß und Staub und Wasser. Vier Tage im Sommer. Unvergesslich.

Neulich saß ich in einem der schönen Berliner Parks, ein paar Freunde waren da, wir sprachen lange über dieses und jenes, alles und nichts, wir aßen, tranken, rauchten, die Sonne brannte ihren so wohltuenden Schein durch die wenigen Wolken am Himmel, heizte den summer in the city energetisch an, derweil Licht und Schatten ihren stillen, gewohnten und kaum beachteten Tanz vollführten. Doch es ist nicht mehr wie einst. Du merkst, ein wenig spricht der Blues aus mir, aber wenn ich ehrlich bin – ich sitze hier mit einem Lächeln, ach was, mit einem breiten Grinsen in meinem Gesicht, schreibe diese Worte und freue mich auf jeden Tag, an dem ich weiß, was es bedeutet zu leben und zu lieben.

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Worum geht’s gleich nochmal?

Um uns herum saßen viele andere Menschen, kleinere und größere Gruppen fanden sich und alle machten irgendwie ihr Ding. Ich hatte es aber anders erlebt. Vorher. Mein erstes Mal (und definitiv nicht das letzte). Ich hatte, wir alle hatten den Höhepunkt des Sommers hinter uns. Gemeinsam.

Das Feel Festival

Tausende Menschen, jung und alt, schöne und unsagbar schöne Menschen kamen zusammen, um ein Fest zu feiern, das ihresgleichen sucht. 24h am Tag, entspannt getrieben durch nassen Hall, trockene und pumpende Beats. Pulsierende Bässe gaben uns den Takt und Sinn des Augenblickes. Momente flossen im Groove ineinander und die üblichen Fragen, Sorgen und Unklarheiten waren soweit entfernt, wie die Sterne, die wir in klaren Nächten, leicht blinkend am Himmel sehen und deren Distanz zu uns wir nur schwer erahnen. Es war, als wären wir auf einem anderen Planeten, auf dem alles Sinn ergibt, wie in einem Traum, der nüchtern betrachtet surreal, abstrakt erscheint und sich beim Träumen doch so echt, so natürlich anfühlt.

Ich frage mich, ob es sich beim Feel Festival genau darum dreht, zu ahnen, wie die Welt sich auch in eine andere Richtung drehen kann. Abseits vom Altbekannten zu stehen und doch mittendrin zu sein. Viele unterschiedliche Menschen kamen auf einem so kleinen Areal zusammen, kannten sich nicht und doch war sich niemand fremd. Gleichgesinnte. Familie. War ich jemand anderes oder genau der, der ich eigentlich bin? Heute bin ich ein Alien in der mir sonst so normalen Welt, die augenblicklich klein und traurig wirkt. Und dort erblühte trockner Sand zu Glück unter meinen fortwährend stampfenden Füßen. Allein die Stimmung war berauschend. Von Anfang an.

Fest & Festival

Mit das Großartigste beim Feel war die beeindruckende Kulisse. Unter dem kolossalem Stahlmonster und Besucherbergwerk F60, in der Nähe von Finsterwalde, standen soweit das Auge reichten Zelte, Camper, Autos, dazwischen wunderschön und liebevoll gestaltete Stages (über 20!), hinter denen sich diverse Berliner Clubs und Kollektive verbargen. Überall feiernde Leute, die vier Tage zu einem verschmelzen ließen. Inmitten eines nicht mehr bewirtschaftetem Tagebaugebietes und einer der landschaftlich wohl schönsten Seiten Brandenburgs, festivalierten wir am Berghaider See.

Der schier endlose Strand lud nicht nur zum entspannten Sonnenbad sondern zwischendurch immer wieder zu einem erfrischenden Ab- tauchen ein, um sich anschließend erfrischt am Einklang der Beats zu berauschen.

Abseits vom Strand fand man sich auf der hohen Düne wieder, einer etwas höher, am Waldrand gelegene Stage, die Tag und Nacht das Areal beschallte und die mit ihren vielfältigen Sounds Suchtpotential entwickelte. Wer auf Massagen in der Magengegend steht, konnte sich den tieferen Frequenzbereichen im Bassnest hingeben. Aber auch die Waldgeister hatten einige Gründe zum Feiern: entweder im Zauberwald, der Burg Schnabel, im Endlos oder im Ex!t, wobei die letztgenannten Stages zusammen mit dem Strand das wohl fetteste Lineup bereit hielten: Von Niconé & Sascha Braemer, Lovebirds, Kruse & Nuernberg, über Claptone, Fabian Reichelt & Raycoux Jr., David Dorad bis hin zu Bebetta, Dirty Döhring und Oliver Koletzki, um hier nur ein paar Schwergewichte zu nennen.
House, Techno und sämtliche Subgenres vermengten sich zu bunter Vielfalt, bei der es schwer fiel, sich nicht doch kurzfristig klonen zu lassen, um alle Stages gleichzeitig mitzunehmen. Und überhaupt, die Auswahl der Stage, auf der man feiern wollte, war demnach auch tatsächlich die größte Hürde, die zu nehmen war.

Die unglaubliche Feelfalt auf dem Feel Festival war dank des Programmplanes zwar überblickbar, jedoch die richtige Entscheidung für eine Stage gab es mitnichten. Das grandios abgefahrene Linup war bemerkenswerter Weise leider dazu geschaffen, Highlights zu verpassen, da diese andauernd passierten. Was also eigentlich gar nicht schlimm war… Meine Home-Stage (mein Zelt stand nur knapp 100m entfernt) war jedoch ganz klar die Hohe Düne. Das Favourite-Set spielte Nicolaj, ein junger Schweizer DJ. Am Vormittag! Auch wenn nur wenige tanzten, war der Sound genau für mich gemacht.

Und Überhaupt..

Musik war ein ständiger Begleiter, war der Weg und das Ziel. Schon bei der Anfahrt war sie kaum wegzudenken. Ich war einer derjenigen, der sich in einer Gruppe sportlich-radfahrender Festival Enthusiasten widerfand und die 130 km Anreise nach Lichterfeld antrat. Der BUNDjugend aus Berlin hatte die  Tour mit den Drahteseln organisiert und schon vorab mit guter Unterhaltung, über 30 super netten Teilnehmern, einem Überraschungsact und einem mobilen Soundsystem, inkl. DJ für einen grandiosen Festivalstart gesorgt. Wer also ein Rad hat und im kommenden Jahr auch zum Feel Festival will, sollte sich hier unbedingt anmelden. Es lohnt sich!

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Ankunft beim Feel

Für diejenigen, die gern etwas Ruhe zum Schlafen (oder was sonst so geht) haben, gab es etwas abseits gelegene Silent Camping Bereiche. Wer mochte traf sich morgens zum gemeinsamen Munterschwimmen im See oder zum Yoga am Strand.
In Workshops lernte man viel nützliches über Nachhaltigkeit oder der Weiterverwendung von Gegenständen, die normalerweise ihr Ende in der Mülltonne finden, z.B. Sessel aus Tetrapacks.

Auch Kulinarisch wurde einiges geboten – ich behaupte, dass für jeden Geschmack etwas dabei war. Und selbst die Preise waren in Ordnung.

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Am Ende war die Musik aus.

Was soll ich sagen? Ich tanzte von Donnerstag bis Montag und am Ende war die Musik aus.
Schlagartig war ich zurück auf dem Planeten Erde. Ich wusste ich muss nach Hause, zurück in die Realität. Ein Glück fand sich noch eine kleine, sympathische Gruppe, die mich mit dem Rad zurück begleitete. Noch während ich auf dem Festivalgelände war und mich zur Abfahrt vorbereitete, schwelgte ich schon in meinen Erinnerungen.

Das Feel Festival lohnt sich absolut! Auf dem Band um meinem Handgelenk steht “Alles für Alle” und genau so fühlte es sich an.

Es waren eine Menge Menschen, die dort zusammen kamen, es war voll, jedoch auf den Stages war es nie wirklich eng. Genaue Zahlen kenne ich nicht, ich hörte etwas von ca. 15.000, weiß aber nicht, ob diese Zahl einigermaßen exakt ist. Klar, im Vergleich zu anderen Festivals ist das relativ wenig aber vielleicht macht das auch den großen Unterscheid. Es fühlte sich unheimlich entspannt, familiär an. Ich war zu Hause.IMG_7201

An keiner Stelle wirkte es irgendwie chaotisch, alles schien gut durchorganisiert zu sein. Hut ab, sehr gut gemacht liebes Feel-Team. Einzig – und das ist tatsächlich der einzige Kritikpunkt, der mir überhaupt in den Sinn kommt – die sanitären Einrichtungen, wenn man das so nennen kann, sollten beim nächsten Mal aufgestockt werden.

Die Stimmung war großartig, fantastische Musik auf über 20 Stages und insgesamt eine unbeschreibliche Atmosphäre. Auch thematisch war die Richtung klar, neben Musik ging es um Einklang, Nachhaltigkeit, Verwertung, Glück und wie wir das mit den uns umgebenden Ökosystemen kombinieren. Zu unseren Füßen der große See, um uns der Sound und der Sommer. Und so lange es dauerte, war kein einziger negativer Gedanke zu hören oder zu spüren undauch das Ende war nie in Sicht. Um so mehr traf es mich..

Ja, es gibt ein Leben nach dem Feel. Aber ich kann mit Gewissheit sagen, zu meinem Leben gehört das Feel! Wer da war, will wieder hin. Für alle, die es dieses Jahr oder sogar bisher nicht schafften Teil dieses derart einmaligen Festivals zu werden, kommt, seid im nächsten Jahr dabei und werdet glücklich. das Feel Festival verändert dein Leben. Versprochen. Wir sehen uns dort.matthias

Matthias

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Vielen Dank Matthias für diesen wunderbaren Text. Ich freue mich, dass ich dir mit den Tickets eine so große Freude machen konnte.
Wir sehen uns im kommenden Jahr!

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